Interview mit Dr. Michael Haberland im Verkehrswachtmagazin „mobil und sicher“

Mann in grauem Anzug und weißem Hemd in Cabrio vor Naturkulisse

Das Verkehrswachtmagazin „mobil und sicher“ hat in seiner neuesten Ausgabe ein Interview mit Dr. Michael Haberland veröffentlicht. Als Chef und Gründer des Automobilclubs Mobil in Deutschland e.V. ist er Ansprechpartner für Themen der Mobilität und Verkehrssicherheit. Lesen Sie im nachfolgenden Interview, was von einem Tempolimit zu halten ist, welche Promille-Grenze sinnvoll und wie die Verkehrssicherheit auf Deutschlands Straßen erhöht werden kann.

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Zur Person

Als Kind wollten Sie sein wie?
Winnetou.

Wie können Sie am besten entspannen?
In der Ferne in der Wärme.

Ihr Leibgericht?
Wiesnhendl mit Brezn und/oder Kartoffelsalat.

Ihre Lieblingsmusik?
Wunderwelt – eine Newcomerband, die man (fast) noch nicht kennt.

Ihr Lieblingsgetränk?
Cola Zero auf Eis mit Limone.

Ihr Lieblingsbuch?
Ich, das Flüchtlingskind. Kommt erst raus, aber ich durfte es schon lesen. Einfach nur authentisch.

Was sagt man Ihnen nach?
Geduld ist eine Tugend. Aber nicht meine.

Was gefällt Ihnen an sich am besten?
Das sollen andere beurteilen…

Schenken Sie uns eine Ihrer Lebensweisheiten?
Montesquieu: Wenn es nicht notwendig ist, ein Gesetz zu machen, dann ist es notwendig, kein Gesetz zu machen. Gilt übrigens nicht nur für Gesetze, sondern für viele Dinge in unserer absolut überbürokratisierten Gesellschaft.

Zur Sache

Wie sieht Ihre eigene Mobilität aus?
Ich fahre gerne Auto. Aber auch gerne U-Bahn, Straßenbahn oder Fahrrad. Mir ist wichtig, dass ich das entscheide und nicht jemand anderer. Ich nenne das die Freiheit der Verkehrsmittelwahl.

Fühlen Sie sich im deutschen Straßenverkehr sicher?
Ja, natürlich. Die deutschen Straßen, allen voran Autobahnen, sind im internationalen Vergleich sehr sicher. Ich selber habe eigentlich nie das Gefühl, im Straßenverkehr nicht sicher aufgehoben zu sein.

Brauchen wir höhere Strafen oder mehr Aufklärung, um noch verkehrssicherer zu werden?
Höhere Strafen sind in der Regel keine Lösung. Solche Ideen kommen meist von Juristen oder Politikern. Beispiel: Trotz ständiger Erhöhung des Bußgeldes bei Nutzung des Smartphones am Steuer, steigen hier die Unfälle. Der gewünschte Effekt tritt nicht ein. Viel wichtiger ist es hier, wie auch bei anderen Fällen, sich um effektivere Aufklärung zu kümmern. Nachhaltig. Mit unserer Verkehrssicherheitskampagne „BE SMART – Hände ans Steuer, Augen auf die Straße“ machen wir genau das.

Was halten Sie von der Einführung einer 0,0 Promille-Grenze in Deutschland?
Nicht viel. Das würde ja bedeuten, dass man vor Fahrtantritt kein Mon Chéri essen dürfte, ohne ansonsten verkehrswidrig unterwegs zu sein. Die heutige Regelung von 0,5 Promille ist zweckmäßig.

Welche Promille-Grenze halten Sie für Fahrradfahrer angemessen?
Die gleiche Regelung wie für Autofahrer. In vielerlei Hinsicht.

Wie ist Ihre Ansicht zu einem generellen Tempolimit auf deutschen Autobahnen?
Meiner Meinung nach gibt es nichts, was für ein generelles Tempolimit auf unseren Autobahnen spricht. Ein Tempolimit ist absolut klimaneutral, damit ökologisch wertlos. Auch der Effekt für die Luftqualität und Geräuschbildung ist kaum spürbar. Unsere Autobahnen sind die sichersten Straßen, vor allem im internationalen Vergleich. Und viele Abschnitte, an denen eine höhere Gefahr besteht, haben ja bereits ein Tempolimit.

Bewirken Geschwindigkeitsmessanlagen mehr Verkehrssicherheit?
Hier gilt es zu unterscheiden: Messanlagen sind sinnvoll und auch notwendig, wenn sie richtig eingesetzt werden. Das heißt an kritischen Verkehrspunkten oder um schwächere Verkehrsteilnehmer zu schützen, z.B. an Schulen, Kindergärten oder Krankenhäusern. Das sagt übrigens auch die StVO. Leider sieht man Blitzer viel öfter an Orten, an denen sich leicht viel Geld verdienen lässt. Gegen diese regelgerechte Abzocke der Autofahrer mit dem Ziel, leere Staatskassen zu füllen, positionieren wir uns von Mobil in Deutschland e.V. ganz klar!

Warum ist Verkehrssicherheit auch heute noch ein wichtiges Thema?
Das war es schon immer und wird es immer sein. Autos, Bahnen und Flugzeuge werden schneller und sicherer. Je mehr bessere Technik verbaut wird, desto größer ist auch die Versuchung sich darauf völlig zu verlassen. Das kann wieder eine neue Gefahr bedeuten. Ein Abstandswarner im Auto sollte kein Freifahrschein sein, mit seinem Smartphone in der Hand am Steuer leichter chatten zu können.

Wie kann der Mensch noch sicherer im Straßenverkehr werden?
Innovative Technik und bessere Infrastruktur. Beides muss einhergehen. Industrie und Staat sind gleichsam gefragt. Und beide machen keinen schlechten Job. 2016 hatten wir so wenige Verkehrstote wie noch nie.

Erhöhen verkehrsberuhigte Bereiche die Verkehrssicherheit?
Verkehrsberuhigung muss im Einklang mit den Gegebenheiten stehen. Dann kann das funktionieren. Wenn Sie ideologisch genutzt werden, was oft der Fall ist, dann passiert genau das Gegenteil.

Welche Prioritäten haben Sie für die Verkehrssicherheitsarbeit?
Mobilität ist ein Grundbedürfnis. Verkehrssicherheit hat oberste Priorität. Beides muss gut vereinbar sein. Weniger Strafen, aber viel mehr Aufklärung und die Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer. Hier machen die Verkehrswachten einen vorbildlichen Job. Danke dafür! Wir von Mobil in Deutschland möchten dazu auch gerne beitragen.

Weitere Informationen zum Verkehrswachtmagazin unter www.mobilundsicher.de