Verkehrszählung 2019 zur Unfallursache Nummer 1:

Jeder 16. Autofahrer in Deutschland mit Smartphone in der Hand unterwegs

Viele Autofahrer nutzen morgens auf dem Weg zur Arbeit die Gelegenheit, nochmal schnell Termine zu checken, eine Nachricht zu tippen oder den Chef anzurufen – immer mit dem Handy in der Hand. Obwohl es eigentlich verboten ist, halten sich die wenigsten Autofahrer daran. Der Automobilclub Mobil in Deutschland e.V. hat daher eine umfangreiche Verkehrszählung von insgesamt 50.000 Fahrzeugen durchgeführt, um das Nutzungsverhalten von Autofahrern zu analysieren. Das Ergebnis: Jeder 16. Autofahrer in Deutschland nutzt sein Handy in der Hand am Steuer.

Die dauernde Nutzung des Smartphones nimmt in allen Lebenslagen immer weiter zu und kann teilweise zur richtigen Sucht werden. Da spielt es auch keine Rolle, ob man zuhause auf dem Sofa oder am Steuer seines Autos sitzt. Ständige Erreichbarkeit wird den Menschen immer wichtiger, sodass sie ihre Prinzipien über Bord werfen und enorme Gefahren in Kauf nehmen. Denn: Ablenkung – und damit in erster Linie Ablenkung durch das Smartphone – ist mittlerweile Unfallursache Nummer 1 in Deutschland. Bei etwa 100.000 Unfällen im Jahr sterben mehr als 500 Menschen und rund 25.000 werden verletzt, weil sie ihre volle Aufmerksamkeit nicht dem Verkehrsgeschehen widmen.

Die Verkehrszählung 2019

Da es bisher nur wenige bis keine konkreten Zahlen und wissenschaftliche Studien zur Handynutzung am Steuer gibt, wollte sich der Automobilclub Mobil in Deutschland e.V. selbst einbringen und eigene Zahlen erheben. Insgesamt 50.000 Fahrzeuge wurden bei einer mehrwöchigen Verkehrszählung ins Visier genommen, um herauszufinden, wie groß der Anteil der Smartphone-Nutzer am Steuer wirklich ist. Gezählt wurden jeweils 10.000 Autos in fünf Kategorien: An der Landstraße, an der Autobahn, im fließenden Stadtverkehr, an der roten Ampel und im Stau.

Als Hilfsmittel dienten mechanische Klickzähler und der scharfe Blick der Mitarbeiter des Automobilclubs, der sich als Initiator der Verkehrssicherheitskampagne BE SMART! genau für das Thema der Ablenkung am Steuer engagiert. Sie blickten in die Fahrzeuge und deren Fahrerkabinen von Brücken, Bushaltestellen, Gehwegen oder Straßeneinmündungen, stets bemüht, dabei nicht aufzufallen. Gut 65 Stunden hat es gedauert, bis die Arbeit abgeschlossen, die Zählungen ausgewertet und das Smartphone-Nutzungsverhalten der deutschen Autofahrer dargestellt werden konnte.

Die Ergebnisse der „Handysünder“ im Überblick:

  • 3,83 Prozent auf der Autobahn
  • 3,42 Prozent an Landstraßen und Bundesstraßen
  • 5,10 Prozent im fließenden Stadtverkehr
  • 7,74 Prozent im Stau
  • 11,52 Prozent an der roten Ampel

Gesamt wurden damit 3.161 „Handysünder“ gezählt. Das entspricht 6,32 Prozent oder eben jedem 16. Autofahrer bundesweit, der mit dem Handy in der Hand am Steuer unterwegs ist.

Dr. Michael Haberland, Präsident des Automobilclubs und Verkehrsexperte, kennt die Gefahren, die durch die Smartphone-Nutzung im Straßenverkehr entstehen: „Auch wenn 6,32 Prozent im ersten Moment nicht besonders viel klingt, sollte man sich die Zahl einmal verdeutlichen: Alleine für den Mittleren Ring in München, über den täglich gut 160.000 Autos rollen, würden das 10.000 Smartphone-Sünder pro Tag am Steuer bedeuten. Das sind 10.000 Gefahrenquellen pro Tag, die Ursache für einen Unfall sein können. Angefangen von kleinen Auffahrunfällen bis hin zu tödlichen Zusammenstößen mit Radfahrern oder Fußgängern. Ein Moment der Unachtsamkeit reicht da leider oft schon aus.“

Die Verkehrssicherheitskampagne BE SMART!

Dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, hat der Automobilclub Mobil in Deutschland e.V. erkannt und 2015 zusammen mit TÜV SÜD und unter der Schirmherrschaft des Bundesverkehrsministeriums die bundesweite Verkehrssicherheitskampagne „BE SMART! Hände ans Steuer – Augen auf die Straße!“ ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist, Autofahrer für die extreme Gefahr der Ablenkung am Steuer zu sensibilisieren und ihnen einen verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Geräten im Straßenverkehr nahezulegen. Nur so können Unfälle zukünftig vermieden und die Straßen sicherer gemacht werden.

Unterstützung bekommen die Initiatoren der Kampagne dabei von einigen namhaften Partnern, die sich in ihren Unternehmen ebenfalls mit Mobilität, Sicherheit oder Digitalisierung beschäftigen. Dazu gehören Bridgestone, CarMobility, congstar, Esso, KS/Auxilia, die Mediengruppe RTL Deutschland, Sortimo, Samsung, der Verband der Automobilindustrie und Volkswagen.

Die Botschaft ist klar: Die Nutzung des Smartphones am Steuer lenkt ab und ist extrem gefährlich. Daher: BE SMART! Hände ans Steuer und Augen auf die Straße.